2014
02.19

Absolute Beginner

 

>> Bring Mich Nach Hause

Last Minute, Click and Fly
Die Buchung ist bestätigt
Bin viel zu spät, sitz’ im Taxi, nichts bewegt sich
Denn die CSU und die Anti-Antifa
Demonstrieren gegen ihre Putzfrauen aus Sansibar
Und als ich dann endlich schweißgebadet im Flugzeug sitz’
Und der Typ neben mir pausenlos am Husten ist
Hör’ ich auf zu zählen bei Luftloch 180
Und meine Fingernägel werden eins mit dem Klapptisch
Überleb’ überglücklich Überfertig
küss’ ich die Brandflecken aufm Hotelzimmerteppich
Sunshine Plaza, 13. Stock
Während der Regen schadenfroh an mein Fenster klopft
Der Poolbereich schlängelt sich durch Wohnblöcke aus Ytong
Und erwürgt die natürliche Umgebung wie ‘ne Python
Und nur ein’ Steinwurf entfernt hinter’m Zaun
Wird das einheimische Volk von der Polizei verhau’n

Und jetzt hock’ ich hier und weine
So verloren und alleine
Ich will nachhaue
Bring mich nachhause
Check mich aus wie ich leide
Irgendwo am Arsch der Heide
Ich will nachhause
Bring mich nachhause

Im Jahr an 200 Tagen auf Montage und auf Achse
Pennen in ‘ner Bahn und Zähne putze in ‘ner Taxe
Und ist mal irgendwo schön, ja dann wär’ ich gern’ geblieben
Doch muss morgen früh um sieben wieder meinen Flieger kriegen
Jetzt hab’ ich schon mal ein’ Tag frei und bin dazu verdammt
Ihn da zu verbringen wo man die Depression erfand
Der Himmel ist grau
Die Häuser sind noch grauer
Herzlich Willkommen in Grauen an der Trauer
Blicke schreien mich an
“Du bist hier fremd”
Rotklinkerhäuschen, Garten aus Zement
Für jedes Problem ein alkoholisches Getränk
Während sich die Lebensfreude auf dem Dachboden erhängt
Geh’ durch die Straßen ohne Farben, ohne Leben
Beißende soziale Kälte bläst mir entgegen
Hier guck mein Sohn wie traurig alles endet
Ohne Migration, vollkommen unterfremdet
Bin hier gestrandet wie ein Schiffbrüchiger
Der noch nicht mal genug Weed fürn Spliff übrig hat
Ich brauch die Alster, brauch die Elbe, brauch die Seeleute
Denn ohne Wasser bin ich nichts wie ‘n Teebeutel

Und jetzt hock’ ich hier und weine
So verloren und alleine
Ich will nachhaue
Bring mich nachhause
Check mich aus wie ich leide
Irgendwo am Arsch der Heide
Ich will nachhaue
Bring mich nachhause

 

>> Nicht Allein

Halleluja, hallo du da, ja du ja
Siehst du dich nicht auch ab und zu ma
Allein auf weiter Flur, nur von Einzellern umgeben
Die sich zur Musik von Zweizellern bewegen
Ihr Leben nach dem Worte von Dreizellern leben
Und all’ ihre Moneten den Vierzellern geben

Bist auch du ein Fernsehen-Gernseher
Obwohl du beinahe kotzt, wenn du dann einmal glotzt
Zapp, zapp: Gescheiterte, Gescheitelte
Zapp, zapp: Verblühte, Vergnügte
Zapp, zapp: Oh Gott, was’n Schrott
Doch der Finger kann nicht drücken auf den kleinen roten Knopp!

Ist auch dir die Übernahme durch’s Digitale nicht geheuer
PC-CD Paranoia
Wo alles nur noch piept, inklusive Eier
Nur noch die Daten zählen, als wär’ die Welt ‘n Flyer
Wird im Winter nett geraved, wird’s im Internet gesaved
Deine Stimme Online, näher dran an Bonn sein
Siehst du dich nicht manchmal auch im ICE nach Eschede
Als einziger der’s ahnen kann, der alle warnen kann
Und dann schaust du dich um, siehst das Grauen um dich ‘rum
Du weißt, die sind zu dumm, um dir zu Glauben und du bleibst stumm
Die wollen es doch nicht checken
Sollen sie doch verrecken
Vollgas und Grinse-Fressen ins Ende des Schreckens!

Wenn alles Jacke wie Hose ist, dummes Rumgepose ist
Nix geheuer ist und alles zu teuer ist
Und über kurz oder lang alles gleich wird und träge
Durch dick und dünn, ohne Kollege
Nasebohren vor’m Kühlschrank, der leer ist
Ich früher weit vorn und jetzt alles weit her ist
Keine Frau, kein Glück, kein Style, da “0190…” und so weiter – immer weiter!
Weder klingelnde Kassen, noch Telephone
Kein Schwein weiß, wo ich wohne
Wenn der Hocker der Thron ist, auf dem ich throne
Am Tresen in der Kneipe, auf’m Bier die Krone
Keiner mit mir, sondern jeder down ist
Lang nix abging, weil jeder abgehaun’ ist
Freunde mir Rap stehlen, statt mit mir Pferde
Meine Mutti mich fragt, was ich werde!

 

>> Spam

Ich muss mir mal eben
Was von der Seele reden
Hab da so Probleme mit dem digitalisierten Leben
Schreib mein Dynamit immer noch auf DIN A4
Mach auf Curse für die Dramatik und rappe auf Klavier
Und sag
Der Baron von Münchhausen fickte Robocop
Raus kam eine Welt aus Autotune und Photoshop
Da sind wir nun, alles falsch kalt und lieblos
I-Phone 6+, Mensch 6-
Wo man Gefühle nur als Emoticons wahrnimmt
Hundert virtuelle Freunde, kein’ der ein’ in Arm nimmt
Wir pumpen mit Fotos unsre großen Egos auf
Doch sind innerlich so leer wie ‘n Schokonikolaus
Tinder statt Kinder
Die Geigen sind verstummt
Das Alleinsein macht uns krank doch wir googlen uns gesund
Und dass die Welt im Dreck versinkt interessiert uns einen Scheiß
Wir teilen höchstens den Link und spenden dann ein Like

Spam
Wo ich geh, oder steh, oder hinguck
Spam
Zu viel Input, vor mir die Sintflut
Damn
Immer nur
Spam
Überall
Spam
Viel zu viel
Spam
Spam
Erst Drag und dann Drop und dann Wow
Spam
Und dann ex, und dann hop, und dann ciao
Damn
Immer nur
Spam
Überall
Spam
Spam

Ich hab’ kein’ Job mehr
Mich gibt’s als Software
Ich sitz’ im Arbeitsamt neben Plattenläden und Faxgeräten
Auf der Suche nach ‘ner freien Stelle
Als Randnotiz der Geschichte, die vergessen hat sich upzudaten
Und während ich mit der virtuellen Welt Arm drücke
Schmeißt sich meine Zukunft von der Datenautobahnbrücke
Und pfeift die “spiel mir das Lied vom Tod”-Melodie
In mp3-Qualität durch die Zahnlücke
Denn ich bin ein Neanderdigitaler
Ich bin ein Opfer der Generation Klicks
Immer auf der Suche nach Substanz und gutem Karma
Doch Google und Konsorten finden dazu nichts
Und ich steh’ vor einem Datenmüllberg aus Eitelkeiten
Jeder hat ‘ne Onlinepetition, keiner geht Steine schmeißen
Und heimlich überwacht von meiner Webcam
Fühl ich mich wie Pacman
Denn ich will nur noch wegrenn’

No Comment.

Add Your Comment